Dienstag, 31. Januar 2017

20 Jahre Whiskyauction.com: Interview mit Thomas Krüger (Teil 1 von 3)


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Gründer und Betreiber der größten Whiskyauktions-Seite der Welt
19.01.2017

 Der Winter hier in Schleswig-Holstein zeigt sich in diesen Tagen nur trübe und ungemütlich. Umso angenehmer ist daher die Aussicht auf einen genussvollen und informativen Nachmittag.
So zieht es mich heute in das Örtchen Holzbunge bei Rendsburg, ins noch recht neue Genussreich "Whisky Krüger" von Thomas Krüger und seinem Geschäfts-Partner Jens Nielsen (www.whiskykrueger.eu) .
Die beiden haben hier im geschichtsträchtigen „Redderhus“ eine facettenreiche Begegnungsstätte unter dem Dachthema Whisky etabliert: Hier gibt es ein Whisky-Café, in dem man viele längst vergriffene Sorten Whisk(e)y verköstigen und genießen kann.
Zudem bietet sich dem Suchenden eine breite Auswahl an Spezialitäten mit und aus Whisky (Torte, Conewhis, etc.), ein groß aufgestellter Shop (mit über 1000 Fl.) und ein tolles Museum, welches einen Teil der Krüger eigenen Sammlung beherbergt.
Außerdem wird hier im Museum durch Informationstafeln und mehrere multimediale Touch-Screens die Thematik Whisky dem Neugierigeren näher gebracht, oder man kann bei einer sehr persönlichen Führung spannende Informationen erhalten. 




 Dankenswerterweise hat Herr Krüger sich an diesem Tag bereit erklärt, mir ein Interview rund um das Thema Whisky und seine Erfahrung über 20 Jahre mit einem der größten Internet-Auktionshäuser (www.whiskyauction.com) zu geben.
Dieses hatte er 1997 gemeinsam mit seinem Freund und Geschäftspartner Klaus Rosenfeld eröffnet.

Und so gab es bei köstlicher Rumkugel, vollmundigem Kaffee und leckerem Whisky eine sehr informative und überaus angenehme Unterhaltung...

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Benjamin Becker (B. B.): Herr Krüger, wie kamen Sie zum Thema Whisky?

Thomas  Krüger (T. K.):
Die Vorgeschichte dazu begann mit meinem Vater: 1958 hatte er die erste Flasche Whisk(e)y („Canadian Club“) von seiner Schwester aus Amerika (einer Konditorin in New Jersey) geschickt bekommen. Die Flasche hatte er an einem Abend mit seinem Cousin aus Hamburg ausgetrunken und war daraufhin so motiviert, dass er sofort die Welt erobern wollte. Da diese Vorstellung sehr aufbrausend verkörpert wurde, hatte meine Mutter ihn sicherheitshalber in einen Teppich eingewickelt, damit er sich nicht mehr bewegen konnte.
Am nächsten Morgen ist er jedoch frisch und klar im Kopf aufgewacht und hat für sich entdeckt: Whisky ist ein tolles Produkt! Selbst wenn man eine halbe Flasche am Abend trinkt, ist man am nächsten Tag fit. „Ich will Whisky-Händler werden“ (1958)!

Von diesem Moment an hat er zusätzlich die ersten Whisky-Produkte zu seinem bestehenden Sortiment (Weinbrand, Cognac, Wein etc.) in unserem Laden aufgenommen, der damals noch zur Edeka gehörte.

[Mein Urgroßvater Johannes Hansen hatte 1920 das Kolonialwaren-Geschäft gegründet (Ecke Kurze Straße/Neue Straße) ...à 2020 100 Jahre Jubiläum.]

Zu Beginn, Ende der 1950er/ Anfang der 60er bis in die 1980er Jahre, war es relativ schwierig, neue Abfüllungen zu bekommen , z.B. „Vat69“ oder „Racke Rauchzart“- aber es waren auch richtig tolle 20 Jahre.
So bin ich aufgewachsen: Nahezu täglich kamen die Vertreter und haben mit ihren Geschichten die Neuerungen und Sorten vorgestellt, und anschließend wurden von Angesicht zu Angesicht die Bestellungen getätigt. Dabei sah man in seinem Gegenüber auch die Freude über die gegenseitigen Verträge, was man in den heutigen Zeiten und bei den Bestellungen per Internet ja leider nicht mehr erlebt.

Bis 1974 war das Geschäft in Rendsburg als Edeka-Laden etabliert, dann erfolgte der Umbau und die Erweiterung der Geschäftsräume zu dem heute noch bekannten Feinkostladen.
In diesem Zusammenhang hatte mein Vater die Idee, dass jedes seiner Kinder (also meine Schwester und ich) im Geschäft eine Abteilung leiten soll. So kam es dazu, dass ich bereits mit 13 Jahren die Mini-Flaschen-Abteilung übernommen habe, sozusagen der Beginn einer großen Liebe zu den Miniaturen und dem Whisky im Allgemeinen.




B. B. : Und wissen Sie noch, welches Ihr erster Whisky war?

T. K. : Meine erste Whisky-Miniatur war eine „Vat 69“, der ich auch jetzt hier im Schrank noch eine besondere Position eingeräumt habe.
Mein Vater hat mich geschickt in die Geschäfte eingebunden, indem ich nachmittags, nach der Schule, mit den Handelsvertretern verhandeln durfte – auf diese Weise lernte ich früh kaufmännisches Selbstbewusstsein. 
Gleichzeitig hat auch meine Sammel-Leidenschaft begonnen. (Den Vat69 hatte ich durch einen Tischtennis-Sieg gegen meinen Vater gewonnen).
Da es zu der Zeit noch recht schwer war, an Informationen über Whisky zu kommen, habe ich die "Scottish Whisky Association" angeschrieben und ein Buch erhalten, welches ich schätzungsweise 10000 mal durchgelesen habe. Und ansonsten erhielt ich über die Handelsvertreter nach und nach mehr Informationen.
Mit 16 Hatte ich dann ca. 200 Whisky-Miniaturen und dachte damals: jetzt habe ich sie alle! Heute weiß ich, dass ich mit meinen ca. 7000 Faschen max. die Hälfte aller verfügbaren gesammelt habe, wenn überhaupt...



B. B. : Und wann kam der Moment, an dem Sie mehr aus Ihrer Leidenschaft machen wollten?

T. K. : Nach der Schule folgte zunächst die übliche Zeit bei der Bundeswehr und dann begann ich eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann in HH im renommierten "Haus Kruizenga" (ein seit mehreren Dekaden etablierter Hamburger Feinkostladen).
Diese Lehre konnte ich dann als Jahrgangs-Bester abschließen.
Und obwohl die Zeit sehr lehrreich war, sowohl in beruflicher als auch zwischen-menschlicher Beziehung (Stichwort Reeperbahn und „Schinken-Keller“), haben sich die Wege zwischen dem "Haus Kruizenga" und mir schnell getrennt.
Es folgte umgehend die Selbstständigkeit im Feinkost-Bereich mit meiner ersten Firma „Krügers Präsentkorb“ (damals im Allianz-Hochhaus ansässig). Diese Zeit in Hamburg  war sehr schön und die berühmten „Handschlag-Geschäfte“ zwischen den Hamburger Kaufmännern  vom Freihafen und mir wurden schnell zur Routine.
Diese Art des Vertrauens bei Geschäften, die ich dort gelernt habe, wird so auch heute noch bei den Flaschen-Einlagen für die Whisky-Auktionen gepflegt. Die Flaschen werden bei uns persönlich abgegeben ohne Unterschrift oder dergleichen, alles per Augenkontakt.
Ebenso wichtig für die zukünftigen Erfolge war die Bekanntschaft zu meinem späteren Geschäftspartner, Herrn Rosenfeld.

Die Firma der Präsentkörbe  habe ich nach 10 Jahren dann geschlossen und bin nach Rendsburg umgezogen. Dort ermöglichten die Räume unseres Familien-Geschäftes die Eröffnung von Krüger´s Whisky-Gallerie (im Jahr 1994).
Ab 1995 wuchs dann auch das Netzwerk der eigenen Importe und ich konnte den namhaften unabhängigen Abfüller "Cadenhead" schnell als Geschäftspartner gewinnen.





B. B. : Und wie kam es dann vor 20 Jahren zu der Idee, eine Internet-Seite zum Thema Whisky zu etablieren?

T. K.: 1997 war das entscheidende Jahr.
Ich hörte über meinen Hamburger Freund und ebenfalls Miniflaschen-Sammler Herrn Rosenfeld während einer Fahrt zu einem Miniaturen-Aufkauf in Detmold von der neuen Erfindung/Entwicklung: dem Internet!
Kurzerhand haben wir uns dann gemeinsam eine Seite gesichert und wollten eine Auktions-Plattform für Whisky-Miniaturen aufbauen.
Denn Sie müssen wissen, ich hatte damals schon die eine oder andere Miniatur ersteigert (z. B. bei Christies in UK oder in den USA), aber über den Ablauf und die Unkosten war ich immer sehr unzufrieden. Die Abwicklung dauerte sehr lange und es war alles extrem teuer.

Mittlerweile ist die globale Mitgliedschaft auf unserer Seite auf über 12.000 angewachsen und wächst immer noch, so dass wir trotz eines Umzuges in eine größere Verarbeitungsstätte bald am Limit der Kapazitäten angekommen sein werden.



B. B. : Gibt es auch jemanden, der sie in Ihrem  Werdegang mit dem Thema Whisky besonders geprägt hat?

T.K. : Ja auf jeden Fall gibt es da zwei Personen, die mich besonders bestärkt haben.

Zum einen war das damals der ehem. Rendsburger Bürgermeister Heinrich Beisenkötter. Als er sich im Zusammenhang mit dem Umbau des Geschäftes unsere Räume durch meinen Vater zeigen ließ, kam er auch durch mein Jugendzimmer. Der erste offizielle Besucher meiner Miniaturen-Sammlung (außerhalb der Familie) war also der Rendsburger Bürgermeister - darauf war ich natürlich sehr stolz!  Und bei dem Gespräch und der Erklärung der Sammlung hat er zu mir gesagt: „Herr Krüger, bleiben Sie dabei, aus Ihnen wird nochmal was Tolles!“ Und so ein toller Satz zur damaligen Zeit vom Bürgermeister prägt natürlich besonders.

Die zweite Person war Edoardo Giaccone (Spitzname “baffo“ = Bärtchen).
Ein Whiskysammler aus Italien, der am Gardasee lebte und im Guiness-Buch der Rekorde mit seiner Whiskysammlung (Großflaschen) stand. Als ich dieses Buch 1974 in der Hand hielt (ein Geschenk meiner Eltern zu Weihnachten), habe ich meinem Vater gesagt: „Zu dem müssen wir mal hin.“ Das hat zwar fast 20 Jahre gedauert, aber dann war es wundervoll.
Kurz nach der Eröffnung meiner Whisky-Gallerie in Rendsburg war ich mit meinem Vater am Gardasee und E. G. sagte bei meinem Besuch: "Ich wusste, dass du kommst“, und das, obwohl ich nicht angemeldet war! Das war wirklich ein mystischer Moment.
Ein wirklich großer Kenner mit immensem Fachwissen und mit einer sensationellen Begeisterung für das Getränk.
Und so hatte ich vor Ort mit meinem Vater zusammen bei gutem italienischem Essen, tollem Rotwein und noch besseren Whiskies (u.a. das erste mal Macallans aus den 30er Jahren) einen sensationellen Abend mit Baffo in seiner Bar. Vielleicht war das  sogar das schönste Erlebnis. 


Thomas Krüger


Klaus Rosenfeld








 

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